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Länderinfo zuArmenien

Armenien - ein unbekanntes Land jenseits der schneebedeckten kaukasischen Riesen, zerklüftet, steinig und uralt. Ein Hochgebirgsland, das seinen Bewohnern nur wenig Platz lässt, seinen fruchtbaren, doch trockenen vulkanischen Boden zu bebauen. Armenien ist ein Land, in dem man neben einer wunderbar kontrastreichen Natur auch die Gelegenheit hat, den frühen christlichen Geist zu schnuppern und in dem man der Zeit eine andere Bedeutung als in Mitteleuropa beimisst: Zeit ist da, um sie anderen Menschen zu schenken. Und dann kann es sein, dass Armenien einem nicht mehr loslässt, und jede Erinnerung an die Reise einem ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert!

Geschichte

Das armenische Volk kann auf eine historisch belegte Geschichte von drei Jahrtausenden zurückblicken. Die prähistorische Besiedlung des armenischen Hochlandes und das Reich von Urartu haben eine ganze Region, ganze Völker - nicht nur die Armenier - geprägt und nachhaltig beeinflusst. Die eigentliche Geschichte Armeniens ist aber mit dem Zerfall des urartäischen Reiches im 7. Jahrhundert vor Christus anzusetzen. Immer wieder wurde Armenien von aus dem Osten und Süden drängenden, fremden Volksstämmen besetzt und immer wieder gelang es dem kleinen, indogermanischen Volk seine Selbständigkeit und seine Kulturen zu bewahren. Verfolgung und Diskriminierung armenischer Sprache und Kultur ziehen sich wie ein roter Faden beinah durch die gesamte Spanne dieser drei Jahrtausende.

Geographische Lage

Das historische Armenien erstreckt sich von den Südhängen des Kaukasus im Norden, beinahe bis ans Kaspische Meer im Osten, von den Ufern des iranischen Urmia-Sees im Süden bis hin zur kilikischen Ebene zwischen Syrien und Ostanatolien, begrenzt vom mächtigen Taurus Gebirge, im Westen. Das heutige Staatsgebiet Armeniens ist mit knapp 30000 Quadratkilometern Fläche hingegen nur das Kernland des armenischen Hochlandes, ein Hochgebirgsland, das sich mit seiner felsigen Unzugänglichkeit und steinigen Kargheit beinahe gegen alle Seiten abschliesst. Nur im Westen schlängelt sich der mächtige Fluss Arax durch das Land und schafft eine offene, fruchtbare Ebene hin zum türkischen Nachbarn.

Klima

In Armenien herrscht trockenes, kontinentales Klima. Durch die Höhenunterschiede kann es jedoch zu verschiedenen Temperaturen kommen. Die meisten Niederschläge fallen im Frühjahr, zwischen April und Mai und im Herbst, im November. Der Schnee kann sich auf über 2000 Metern sogar bis in den Mai halten. Die Sommermonate sind in allen Landesteilen sehr heiss, besonders aber im Ararat Tal. Die beste Reisezeit sind ab Mitte Mai bis Mitte Juni und Mitte September bis Mitte Oktober.

Essen und Trinken

Die armenische Gastfreundschaft ist berühmt, es gehört zum guten Ton, einen Gast so gut wie möglich zu bewirten. Chorovats ist die beliebteste Speise in Armenien und wir meist bei Festen im grossen Kreis der Familie und Freunde von den Männern zubereitet. Hier werden auf grossen Spiessen marinierte Stücke von Lamm- oder Schweinefleisch über dem Feuer grilliert. Dieses Grillfleisch isst man zusammen mit Kräutern und Zwiebeln und natürlich mit Lavas, einem ungesäuerten Fladenbrot. Zum Essen trinkt man verschiedene Fruchtsäfte, Wasser oder alkoholische Getränke.

Einreisebestimmungen

Schweizer Bürger benötigen für die Einreise einen gültigen Reisepass, der mindestens 3 Monate über das Rückreisedatum hinaus gültig ist.

Lavas - das Brot der Erde

Graue Rauchschwaden dringen aus dem Raum in der Mitte des Dorfes. Der warme Geruch frisch verbrannten Holzes und ein undefinierbarer Duft - wie von frisch gebackenem Brot - erfüllt die Luft. Aus dem Dickicht des Rauches hört man heitere Frauenstimmen, Lachen und ein undefinierbares Klatschen. Mehrere Frauen sitzen um ein Loch in der Mitte des Raumes, von dem eine unglaubliche Hitze und der hungrig machende Duft kommen. Ein Tonir. Das ist ein irdener Backofen, ein kreisrundes vertieftes Loch, das durch die Beheizung mit Brennholz von unten, an den Seiten schon richtig zu Keramik gebrannt scheint. Die Frauen sind geschäftig und erzählen sich den neuesten Dorftratsch. Mehrere Generationen sitzen hier beisammen, die Grossmutter mit dem zahnlosen lachenden Gesicht unter dem dunklen Kopftuch, aus dem sich so manch strohweisse Strähne hervor drängt, ihre nicht weniger gut gelaunte Tochter, die rundliche Schwiegertochter, die sich beim Lachen immer die mehlige Hand vor den Mund hält und einige kleine Mädchen, die dem Treiben ganz gespannt am Rande folgen und ab und zu ein Stück vom harten, weisslich gelben Fladenbrot abbrechen. Hier in diesem Dorf in Vajots’Dzor wird noch traditionell im Familien- oder Dorfkreis das armenische Fladenbrot, Lavas, gebacken. Wie vor Jahrhunderten, ist es allein die Sache von Frauen, diesen etwa einen Meter langen und einen halben Meter breiten Fladen zu backen. Wie es auch Tradition ist, wird hier nicht nur für eine Familie, sondern für die ganze Verwandtschaft, manchmal für das ganze Dorf gebacken. Lavas wird dann in seinem äusserst brüchigen, trockenen Zustand monatelang in den Lagerräumen der Häuser gelagert und bei Bedarf befeuchtet, damit es wieder frisch ist. Lavas ist das Brot einer von Sonne geplagten Bevölkerung, ein dauerhaftes Brot, das bei richtiger Lagerung eigentlich nicht verderben kann. Lavas ist das Brot der Erde. Seine Zutaten, Mehl, Wasser und Salz, werden dem mühsam bearbeiteten Boden entnommen und in der Erde wird das Lavasbrot dann auch gebacken.

Hovhannes Thumanjan

Seine Märchenfiguren sind allen armenischen Kindern bekannt. Ob nun der tölpelhafte und doch immer wieder gescheite Khadsch Nazar, der unbesiegbare Hahn oder das Kitzlein. Seine Geschichten und Erzählungen beschreiben nicht nur in der einfachen, unverklärten Sprache des Volkes die Traditionen, Freuden und Leiden der Armenier, sondern sind heute schon zur Tradition geworden. Hovhannes Thumanjan wurde 1869 in dem kleinen Dorf Dsegh als Sohn des Dorfpriesters Thadevos geboren. Nachdem er die Dorfschule absolviert hatte, wurde er nach Dschaloghlu, das heutige Stephanavan, und dann als Vierzehnjähriger allein nach Tiflis geschickt. In seiner Ausbildung lernte er nicht nur die Welt ausserhalb seines Landes, sondern auch die des Theaters und der fremden Literatur kennen und lieben. In seinem unheimlichen Schaffensdrang schrieb er besonders für sein Volk und vor allem in der Sprache seines Volkes, dem Ostarmenischen, und verhalf damit der neu normierten Ostarmenischen Sprache zum Durchbruch. Er übersetzte auch russische Literatur und sogar Märchen der Gebrüder Grimm ins Armenische. Nach einem viel zu kurzen, schaffensreichen Leben verstarb er 1923 im Alter von 54 Jahren in Moskau an einem Krebsleiden. An seinem Geburtsort hat man ihm eine Gedenkstätte errichtet und das Hovhannes-Thumanjan-Museum im Ortszentrum erbaut. Hier muss sich der kleine Hovhannes einst sehr wohl gefühlt haben und die allzu frühe Trennung von seinem Elternhaus muss ihn sehr betroffen haben. Vielleicht ist seine berühmte Geschichte des unglücklichen Jungen Gikor, der von seinen armen Eltern aus dem schönen Bergdorf ins ferne, fremde Tiflis geschickt wird, um dort etwas Geld für die Familie im Haus eines reichen georgischen Kaufmanns dazu zu verdienen, tief aus seiner verletzten Seele geschrieben worden.

Einwohner

3‘015‘500 (September 2014) auf einer Fläche von 29‘800 km²

Sprache

Amtssprache Armenisch. Russisch ist weit verbreitet und wird selbst in den Dörfern verstanden und gesprochen.

Religion

Die vorherrschende Konfession im Land ist das orientalisch-orthodoxe Christentum, das in Armenien die Armenische Apostolische Kirche repräsentiert.

Strom

Die übliche Stromspannung beträgt 220 Volt, jedoch werden Adapter für die Stecker empfohlen.

Zeitdifferenz

Der Zeitunterschied zur Mitteleuropäischen Zeit beträgt +2 Stunden (+3 Stunden während der Winterzeit.

Währung

Dram (AMD), 1 CHF = ca. 489,5 Dram (Juni 2015). Empfohlen sind US-Dollar oder Euro.